Neubaustrecke führt bisherigen Schiffsverkehr durch die Region
Leserbrief, erschienen am 19.07.2025 im OVB zum Bericht „Das Geld muss da sein“
Die Notwendigkeit eines zusätzlichen Brenner-Nordzulaufs wird damit begründet, dass man Güter auf die Schiene bringen muss. Landtagsabgeordnete haben das jetzt wiederholt und sind sich nur in der Frage uneinig, wie das geschehen soll und ob es dazu eine Neubaustrecke braucht. Es fehlt die Frage, welcher Güterverkehr auf die Schiene verlagert werden soll.
Implizit wird unterstellt, dass es jetziger Straßengüterverkehr ist. Der wird aber nur einen kleinen Teil der Verlagerung ausmachen. Hauptsächlich werden die zusätzlichen Kapazitäten dazu genutzt werden, Güterverkehr vom Schiff auf die Schiene zu verlagern! Dafür spricht Folgendes: Erstens ist aus Bahn-Unterlagen ersichtlich, dass die Transportzeiten für Waren aus Fernost nach Mittel- und Nordeuropa um etwa eine Woche verkürzt werden können, wenn die Güter nicht aus dem Suez-Kanal über Gibraltar in Nordseehäfen transportiert und von dort weiter verteilt werden, sondern in Italien an Land gehen und dann mit der Bahn über den Brenner nach Mitteleuropa gebracht werden.
Zweitens gehen selbst die Szenarien, die der damalige Verkehrsminister Scheuer vorgestellt hat, davon aus, dass nicht Viel des jetzigen Straßen-Güterverkehrs auf die Schiene verlagert werden kann. Lediglich zehn bis maximal 20 Prozent Verlagerung werden als Ziel angegeben, „wenn es denn gelänge“ – wie es im Bericht heißt. Zusammengefasst:
Eine Neubaustrecke führt bisherigen Schiffsverkehr durch die Region, reduziert aber kaum den Güterverkehr auf der Straße. Und dafür muss das Geld da sein? Immerhin ein zweistelliger Milliardenbetrag! Und dafür soll unsere Region leiden? Es ist zu hoffen, dass bei der nächsten Behandlung im Bundestag über Zielsetzung und Wirkungen eines zusätzlichen Nordzulaufs genauer diskutiert wird.
Dr. Hermann Biehler